Bürgermeister Pipke überreicht Wappenstein

Anlässlich der Saisoneröffnung des Turmmuseums am ersten Sonntag im April überreichte Bürgermeister Klaus Pipke dem Museumsteam einen historischen Wappenstein. Dieser war früher im Besitz von Antonie Wilisch, geb. Freiin von Gall, die von 1949 bis zu ihrem Tod am 10. September 1958 im sogenannten „Runenhaus“ in Stadt Blankenberg lebte. Als das Gebäude in den 1990er-Jahren zur Kita umgebaut wurde, fand man den Wappenstein im Garten. Seitdem lag er im Archiv der Stadt. Nun ist er ab sofort im Turmmuseum zu sehen.

 

Prof. Dr. Helmut Fischer hat die Geschichte des Wappensteins recherchiert und berichtet:

 

Der Stein wurde im Garten des sog. Runenhauses in Stadt Blankenberg gefunden und erinnert an eine Eigentümerin, an Frau Antonie Wilisch geb. Freiin von Gall, die von 1949 bis zu ihrem Tod am 10. September 1958 dort wohnte. Antonie Freifrau von Gall stammte aus einem heute noch weit verbreiteten Geschlecht. Darauf weist der Hahn, lateinisch gallus, mit Nachdruck hin. Sie war verheiratet mit dem Unternehmer und Besitzer der Stellawerke AG, vormals Wilisch & Co., die feuerfeste Produkte unter anderem in Werken in Niederdollendorf und Königswinter herstellte. Nach 1945 kaufte sie das Runenhaus von der Gemeinde Hennef und ließ sich in Blankenberg nieder.

Das prächtige Fachwerkhaus hatte es Frau Wilisch sichtlich angetan. Unter den übrigen Fachwerkbauten ragte das Gebäude mit seinem Knickdach durch Größe und Balkensetzung hervor. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Jost Henrich Höver, Blankenberger Bürgermeister 1756 - 1761, das Gebäude und versah es mit einer Balkenordnung im Giebeldreieck, die aus dem Rahmen des Üblichen herausfällt. Der Schaugiebel zeigt einen sog. Wilden Mann und einige Andreaskreuze und gibt immer wieder wegen dieser Gestaltung zu gewagten Deutungen Anlass. Man versuchte etwa, in den Balkensetzungen Heils- und Schutzzeichen zu finden und führte die Fachwerkfiguren auf die germanische Bilder- und Runenschrift zurück. Erkannt wurde unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Germanenverehrung in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts darin der Wahlspruch des Erbauers, der gelautet haben soll: „Ich stamme von einem Wandernden (Handwerker oder Kaufmann) ab, lebe und vergehe im Recht“. Der Erbauer Jost Hinrich Höver war ein erfolgreicher Geschäftsmann, hat aber gewiss dem Balkengefüge nicht eine solche Bedeutung unterlegt. Insbesondere erhielt das Gebäude in der Zeit des 3. Reiches und im Besitz der Gemeinde Hennef den Namen „Runenhaus“. Vorher hieß es einfach „Ruhrschhus“, Haus der Geschwister Rohr nach den Eigentümern. Die Geschwister Johann, Gerhard und Luise Ruhr erbten das Anwesen von ihrem Vater Johann Rohr, dessen Mutter Anna Elisabeth Honrath in den Besitz des Hauses gelangte. Erben waren schließlich die Geschwister Müller aus Hennef, die das Haus 1939 an die Gemeinde Hennef veräußerten. Wenig später gelangte das Haus an den Bauunternehmer Adolf Balensiefen aus Köln, der eine gründliche Instandsetzung vornahm und das Gebäude als Erholungsheim für die Belegschaft seines Betriebs nutzte.

Frau Antonie Wilisch geb. von Gall dürfte sich in dem im Bauernstil ausgestatteten Haus wohlgefühlt haben. Bis zum Verkauf an die Stadt Hennef und bis zur Einrichtung des Kindergartens in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts lebte dort ihre Tochter Alix Wilisch mit ihren zahllosen Katzen. Der Wappenstein vermag zu einigen ortsgeschichtlichen Gedanken anzuregen.

 

 

                                                                                     17.04.2017 / M. J.

 

Turmmuseum Stadt Blankenberg erhält € 500,00

Aus den Mitteln „PS-Sparen und Gewinnen“ des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes unterstützte die Kreissparkasse Köln das

Turmmuseum Stadt Blankenberg anlässlich seines 80 jährigen Jubiläums mit einer Zuwendung von   € 500,00

für die Weiterentwicklung und Präsentation alter Handwerkstechniken im 4. Stock des Turmmuseums.

 

Jeden 1. Sonntag im Monat vom 1. April bis 31. Oktober finden Vorführungen „Von der Wolle zum Gewebe“ und „Vom Leder zum Schuh“ statt.

Trotz stürmischen Wetters ließ das Museumsteam es sich nicht nehmen, auf den Stufen des Katharinenturms, in dem sich das Museum befindet, den Scheck mit großer Freude zu präsentieren.